Der Herbst ist da und in vielen Haushalten läuft die Heizung bereits wieder. Spätestens jetzt lohnt sich ein kurzer Heizungs-Check.
Denn hohe Heizkosten entstehen nicht nur durch den Energiepreis. Auch falsche Thermostateinstellungen, dauerhaft gekippte Fenster, zugestellte Heizkörper oder eine schlecht eingestellte Heizungsanlage können den Verbrauch erhöhen.
Die gute Nachricht: Viele Maßnahmen kosten gar nichts oder lassen sich schnell umsetzen. So kannst du bewusster heizen, ohne dass es zuhause unnötig kalt werden muss.
1. Thermostat nicht einfach voll aufdrehen
Ein häufiges Missverständnis: Stufe 5 macht einen Raum nicht schneller warm. Das Thermostat regelt nicht die Aufheizgeschwindigkeit, sondern die Zieltemperatur.
Bei klassischen Heizkörperthermostaten entspricht Stufe 3 ungefähr einer normalen Wohnraumtemperatur. Wer das Thermostat direkt auf 5 stellt, erreicht deshalb nicht schneller eine angenehme Temperatur – sondern riskiert eher, dass der Raum unnötig stark aufgeheizt wird.
Tipp: Stelle direkt die gewünschte Temperatur ein und lass das Thermostat anschließend arbeiten.
2. Raumtemperatur bewusst wählen
Nicht jeder Raum muss gleich warm sein. Wohn- und Arbeitsräume dürfen meist wärmer sein als Schlafzimmer, Flur oder wenig genutzte Räume.
Schon eine etwas niedrigere Raumtemperatur kann den Heizenergieverbrauch reduzieren. Gleichzeitig solltest du Räume aber nicht komplett auskühlen lassen. Besonders in schlecht gedämmten Gebäuden können kalte Oberflächen zusammen mit hoher Luftfeuchtigkeit die Schimmelgefahr erhöhen.
- Wohnzimmer und Arbeitszimmer angenehm, aber nicht überheizen
- Schlafzimmer meist etwas kühler halten
- Flure und Nebenräume nur nach Bedarf beheizen
- Räume nicht vollständig auskühlen lassen
3. Heizzeiten an deinen Alltag anpassen
Bist du morgens nur kurz zuhause, tagsüber bei der Arbeit und erst abends wieder zurück? Dann muss die Wohnung nicht rund um die Uhr auf derselben Temperatur gehalten werden.
Programmierbare oder smarte Thermostate können helfen, Heizzeiten automatisch anzupassen. So lässt sich die Temperatur während längerer Abwesenheit absenken und rechtzeitig vor deiner Rückkehr wieder erhöhen.
Besonders sinnvoll ist das, wenn du relativ feste Tagesabläufe hast.
4. Smarte Thermostate sinnvoll einsetzen
Smarte Heizkörperthermostate können mehr als nur Temperaturen anzeigen. Je nach Modell lassen sich Räume gezielter steuern und Heizzeiten besser an deinen Alltag anpassen.
Mögliche Funktionen sind:
- Zeitpläne festlegen
- einzelne Räume getrennt steuern
- Temperaturen unterwegs verändern
- Nachtabsenkungen automatisieren
- Heizzeiten an Anwesenheit anpassen
Neue oder programmierbare Thermostate können vor allem dann sinnvoll sein, wenn bisher häufig unnötig geheizt wurde. Das tatsächliche Einsparpotenzial hängt aber stark vom Gebäude und deinem bisherigen Heizverhalten ab.
Wichtig: Technik allein spart noch kein Geld. Die Einstellungen müssen auch wirklich zu deinem Alltag passen.
5. Türen zwischen unterschiedlich warmen Räumen schließen
Das Wohnzimmer soll angenehm warm sein, während Schlafzimmer oder Flur bewusst kühler bleiben? Dann sollten die Türen zwischen diesen Räumen möglichst geschlossen bleiben.
Sonst wandert warme Luft ständig in die kühleren Bereiche. Gleichzeitig kann feuchte Luft in kühlere Räume gelangen und dort an kalten Oberflächen kondensieren.
Gerade wenn du einzelne Räume unterschiedlich beheizt, gehört das Türen-Schließen deshalb zum Heizkonzept dazu.
6. Stoßlüften statt Fenster dauerhaft kippen
Auch im Herbst und Winter muss regelmäßig gelüftet werden. Dauerhaft gekippte Fenster sind jedoch ungünstig: Der Luftaustausch erfolgt vergleichsweise langsam, während Wände und Möbel rund um das Fenster auskühlen können.
Besser ist es, die Fenster für kurze Zeit vollständig zu öffnen. Noch effektiver funktioniert Querlüften mit gegenüberliegenden Fenstern.
Beim Lüften solltest du die Thermostate herunterdrehen und danach wieder auf die gewünschte Einstellung stellen.
- mehrmals täglich kurz lüften
- nach Duschen, Kochen oder hoher Luftfeuchtigkeit zusätzlich lüften
- Fenster nicht dauerhaft kippen
- während des Lüftens Thermostate herunterdrehen
7. Heizkörper nicht zustellen
Ein Sofa direkt vor dem Heizkörper, lange Vorhänge oder Wäsche zum Trocknen können die Wärmeverteilung behindern.
Der Heizkörper sollte seine Wärme möglichst ungehindert an den Raum abgeben können. Prüfe deshalb einmal:
- Stehen Möbel direkt vor dem Heizkörper?
- Hängen Vorhänge über dem Heizkörper?
- Wird regelmäßig Wäsche auf oder direkt vor dem Heizkörper getrocknet?
- Ist genug Abstand für eine gute Luftzirkulation vorhanden?
Schon ein wenig mehr Abstand kann helfen, die Wärme besser im Raum zu verteilen.
8. Heizkörper entlüften
Gluckert ein Heizkörper oder wird er trotz aufgedrehtem Thermostat nicht richtig warm, kann sich Luft im Heizsystem befinden.
Dann kann Entlüften sinnvoll sein. Dabei wird eingeschlossene Luft über das Entlüftungsventil abgelassen, damit der Heizkörper wieder gleichmäßiger warm wird.
Bei Mietwohnungen solltest du bei Unsicherheit Hausmeister, Vermieter oder Hausverwaltung ansprechen.
9. Heizung regelmäßig warten lassen
Bei einer eigenen Heizungsanlage ist auch die Technik selbst wichtig. Bei einer Wartung können unter anderem Heizungsdruck, Einstellungen und einzelne Komponenten überprüft werden.
Der Vorteil ist nicht nur ein möglicher effizienterer Betrieb. Probleme können oft auch erkannt werden, bevor die Heizung mitten im Winter ausfällt.
Für Mieter gilt: Die zentrale Heizungsanlage ist normalerweise Sache des Vermieters beziehungsweise der Hausverwaltung.
10. Fenster und Türen auf Zugluft prüfen
Spürst du in Fensternähe einen kalten Luftzug, obwohl alles geschlossen ist? Dann können undichte Fenster oder Türen eine Ursache sein.
Undichte Stellen können Wärmeverluste erhöhen und dafür sorgen, dass häufiger nachgeheizt werden muss. Eine einfache Kontrolle der Dichtungen lohnt sich deshalb besonders zu Beginn der Heizsaison.
Kleinere Probleme lassen sich teilweise mit neuen Dichtungen verbessern. Bei größeren Mängeln solltest du in einer Mietwohnung den Vermieter informieren.
11. Rollos und Vorhänge nachts schließen
Abends und nachts können geschlossene Rollläden oder Vorhänge dabei helfen, Wärmeverluste über Fenster etwas zu reduzieren.
Wichtig ist allerdings: Vorhänge sollten nicht direkt über einem laufenden Heizkörper hängen und dessen Wärme blockieren.
Tagsüber kann Sonnenlicht durch die Fenster einen Teil der Räume kostenlos erwärmen. Deshalb lohnt es sich, Vorhänge und Rollos tagsüber bewusst zu öffnen, wenn Sonne in den Raum fällt.
12. Verbrauch beobachten statt erst auf die Abrechnung warten
Viele bemerken einen hohen Heizverbrauch erst mit der nächsten Abrechnung. Besser ist es, bereits während der Heizperiode regelmäßig auf den Verbrauch zu schauen – sofern Zähler oder Verbrauchsanzeigen zugänglich sind.
Vergleiche dabei möglichst ähnliche Zeiträume. Ein kalter Winter lässt sich schließlich nicht direkt mit einem besonders milden Jahr vergleichen.
Wenn du deinen Verbrauch regelmäßig beobachtest, erkennst du eher, ob sich Änderungen im Heizverhalten bemerkbar machen.
Welche Tipps bringen am meisten?
Das lässt sich nicht für jeden Haushalt gleich beantworten. Der Heizverbrauch hängt von vielen Faktoren ab.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Wohnfläche
- Dämmung und Gebäudealter
- Heizsystem
- gewünschte Raumtemperatur
- Wetter
- Anwesenheitszeiten
- Energiepreis
Besonders sinnvoll ist deshalb meist diese Reihenfolge: Starte zuerst mit kostenlosen Maßnahmen wie Thermostat richtig einstellen, Stoßlüften, Türen schließen und Heizkörper freihalten.
Danach kannst du prüfen, ob programmierbare Thermostate oder kleinere Optimierungen sinnvoll sind. Bleibt der Verbrauch trotzdem auffällig hoch, lohnt sich eine Prüfung der Heizungsanlage beziehungsweise bei Mietwohnungen ein Gespräch mit Vermieter oder Hausverwaltung.
Gas- oder Stromtarif ebenfalls prüfen
Auch ein effizienter Heizbetrieb schützt nicht vollständig vor hohen Energiekosten. Wenn du mit Gas heizt oder eine Wärmepumpe beziehungsweise elektrische Heiztechnik nutzt, kann deshalb zusätzlich ein Blick auf deinen Energievertrag sinnvoll sein.
Interessant sind dabei nicht nur Neukundenboni, sondern vor allem:
- Arbeitspreis
- Grundpreis
- Vertragslaufzeit
- Preisgarantie
- Kündigungsfrist
- Gesamtkosten über die Vertragsdauer
Gerade ältere Verträge können deutlich von aktuellen Angeboten abweichen. Wichtig ist aber, nicht nur auf Boni zu achten, sondern die Gesamtkosten realistisch zu vergleichen.
Wenn du deine Energie- und weiteren Fixkosten besser einordnen möchtest, kannst du hier deine laufenden Kosten analysieren: Fixkostenquote berechnen.
Für einen vollständigen Blick auf dein Monatsbudget hilft dir außerdem der Haushaltsrechner: Haushaltsbudget analysieren.
Fazit: Kleine Heizungs-Checks können sich lohnen
Du musst nicht gleich die komplette Heizungsanlage modernisieren, um beim Heizen bewusster vorzugehen. Oft helfen schon einfache Dinge: Thermostat richtig einstellen, Türen schließen, kurz und kräftig lüften, Heizkörper freihalten und den eigenen Verbrauch im Blick behalten.
Wenn eine eigene Heizungsanlage vorhanden ist, gehören auch Wartung und korrekte Einstellungen zum Sparpotenzial. Zusätzlich kann ein Blick auf Gas- oder Stromtarif sinnvoll sein.
So startest du besser vorbereitet in die Heizsaison – ohne dass es zuhause unnötig kalt werden muss.